Der Münchner Jakobsweg

Bericht über das Pilgertreffen am 12.2.05 in der
Münchner Jakobsherberge in St. Martin am Glockenbach

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80 Anmeldungen für das Pilgertreffen in St. Martin lagen vor! Mit so vielen hatten wir nicht zu hoffen gewagt und unsere Freude war groß! Aber - würden wir auch alle unterbringen können?
Der Duft nach brennenden Kerzen und frisch gebrühtem Tee durchzog bereits Haus und Kirche in St. Martin, als wir dort ankamen. Die Vorbereitungen für das Pilgertreffen waren in vollem Gange.

Gegen 9.30 Uhr trafen die ersten Pilger und Gäste ein, die meisten triefend vor Nässe, denn draußen war es ziemlich stürmisch und regnerisch, doch St. Martin strahlte eine warme Wohlfühl-Atmosphäre aus. Die meisten Pilger steuerten nach der Anmeldung sofort zielstrebig die Photoausstellung von Randolph Miller zum spanischen Jakobsweg an und Bemerkungen wie - "schaut mal, das ist doch die Meseta", oder "diese Aufnahme von Castrojeriz habe ich auch gemacht" usw. ließen die Pilger schnell zu einer Großfamilie zusammenwachsen - wie halt auf dem Jakobsweg auch. Bei Tee und Kaffee, die auch den Körper erwärmten, kamen die Gespräche schnell in Gang und Pfarrer Andreas Ebert musste einen Gong benutzen, um alle zusammenzutrommeln, als er um 10.15 Uhr die Veranstaltung eröffnen wollte. Froh waren wir, als wir feststellten, dass auf den Stühlen und Bänken im Kreisrund der Kirche alle Platz gefunden hatten.

Pfarrer Ebert und Reinhold Hanna für die Gruppe der Münchner Jakobspilger, begrüßten die Gäste.

Die nächste Stunde gehörte dem gegenseitigen "Kennenlernen". In kleinen Gruppen von jeweils 6-7 Teilnehmern stellten sich alle vor und berichteten von ihrer Motivation für diesen Tag und von ihren Erfahrungen auf dem Jakobsweg. Es stellte sich heraus, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer bereits als Pilger in Santiago angekommen war, während die andere Hälfte den Weg in Etappen geht und noch unterwegs ist oder demnächst aufbrechen will. Diese "Kennenlern-Runden" waren sehr spannend. Besonders faszinierend war die Erzählung eines Rad-Pilgers: Aus rein sportlichen Gründen war er von zuhause aus losgefahren, hatte den Jakobsweg nur als "mögliche Route" gewählt, weil es ihn halt gab. Unterwegs besuchte er noch Verwandte in der Schweiz. Völlig überraschend für ihn selber "infizierte" er sich in der jahrhundertealten Kathedrale von Le Puy mit dem "Virus Jakobsweg". Er nahm "Zwiegespräche" mit Gott auf, setzte sich mit seinem Leben auseinander und schrieb einen Brief an Jakobus, den er ihm in der Krypta in Santiago vorlas und dann in Finisterre auf dem Felsen vor dem Leuchtturm feierlich verbrannte - mit Weihrauch und allem, was dazu gehört.
Auch die anderen Teilnehmer hatten interessante Geschichten zu berichten, man hätte stundenlang zuhören können, aber die dafür vorgesehene Stunde verging wie im Flug.

Im Anschluss daran gaben wir Initiatoren des Münchner Jakobswegs Informationen über den Weg weiter:

  • Motivation zum Pilgern und Entstehung des Münchner Jakobswegs - Petra Ludstock,
  • Wegführung sowie Kunst und Kultur am Weg - Monika Hanna,
  • praktische Hinweise für die Pilger auf dem Weg - Barbara Massion,
  • Herbert Helbinger gab das mittelalterliche Jakobslied "Wer das Elend bauen will" zum Besten.

Nach einer kurzen Tee- und Kaffeepause meditierte Pfarrer Andreas Ebert über die Spiritualität des Pilgerns:
  • Dass Peregrino "Fremder" bedeutet und ein Pilger auch heute noch "ausgesetzt" ist - nicht nur dem Wetter -, dass er morgens nicht weiß, wo er abends schlafen und essen kann oder wem er begegnen wird und dass er auf die Hilfe anderer angewiesen ist.
  • wie den Pilgern diese Hilfe auch heute noch zuteil wird - er erzählt von seinen Erfahrungen auf dem Münchner Jakobsweg, als ihn und seinen Pilgerfreund eine Frau auf der Straße ansprach, sie mit nach Hause nahm, verköstigte und ihnen Betten für die Nacht herrichtete.
  • welche Gedanken die Pilger unterwegs bewegen, wie sie ruhig werden und allmählich zu sich selbst finden.
Nachdenklich lauschten wir alle seinen Worten, viele konnten ja auf ähnliche Erfahrungen zurückgreifen.

In der Zwischenzeit hatte Wolfgang fleißig in der Küche gewerkelt und Unmengen von spanischem Eintopf sowie Salate zubereitet, daneben gab es Käse und sogar eine süße Nachspeise. Das eigens dafür liebevoll hergerichtete "Speisezimmer" reichte natürlich für die große Anzahl von Menschen nicht aus, auf allen verfügbaren Stühlen und Sitzplätzen im Haus saß man essend zusammen, sogar auf den Altarstufen. Und wieder drehten sich die Gespräche ums Pilgern und um den Jakobsweg.

Nach dem Essen war ein Pilgerspaziergang auf dem Münchner Jakobsweg angesagt. Sogar für einen Apfel als Wegzehrung war gesorgt. Über die Wittelsbachbrücke ist die Isar ja schnell erreicht, vom kalten Wind wurde uns allerdings der Kopf kräftig durchgeblasen, außerdem regnete es. Aber "richtige Pilger" gehen natürlich trotzdem - unterwegs auf dem Jakobsweg tut man es ja auch. So hatten wir ein echtes Pilgererlebnis, obwohl wir uns natürlich Sonne gewünscht hätten. Wir kürzten die Strecke etwas ab und wärmten uns dafür bei heißem Tee wieder auf.

Im anschließenden Info-Forum wurden Fragen von Pilgern und solchen, die es werden wollten, von denjenigen Anwesenden, die etwas darüber wussten, beantwortet und es ergab sich ein reger Austausch. Besonders gefreut hat uns, dass Gertraud mit ihren beiden Kindern dazu stieß, eine der ersten "Herbergsmütter" in Oberbayern, die in ihrem Garten in Hohenpeißenberg ein Gartenhäuschen für Pilger gebaut hat.

Unser Videofilm über den "Münchner Jakobsweg" rundete als letzter Beitrag den Pilgertag ab.

Der Segen und das gemeinsam aus vollem Herzen gesungene Lied: "Möge die Straße" beendeten einen rundum schönen und gelungenen Tag. Wir haben vor, im kommenden Herbst wieder ein Pilgertreffen zu veranstalten.

Allen, die im Anschluss noch beim Aufräumen geholfen haben, sei herzlich gedankt. Danke vor allem auch an die Initiatoren von St. Martin, vor allem Pfarrer Andreas Ebert für die Räumlichkeiten, die Organisation und die Beiträge, ohne die ein solcher Tag nicht möglich gewesen wäre und nicht zuletzt an Wolfgang, der uns mit einem hervorragenden spanischen Essen verköstigte.

NB: Vor lauter Freude und Begeisterung über diesen schönen gemeinsamen Tag unter lauter Gleichgesinnten haben wir leider vergessen, Fotos zu machen. Weshalb wir diesem Bericht keine optischen Erinnerungen beifügen konnten. ;-(((